Dass gerade junge Leute weniger lesen, ist zwar bewiesen und keine gute Entwicklung. Aber es geht nicht darum, Social Media und generische Künstliche Intelligenz als Problem zu beklagen. Viel wichtiger – auch für Unternehmen – ist es, Lesekompetenz als strategisches Kapital zu begreifen.

«Die Jugend liest nicht mehr.» So oder ähnlich lauten die Schlagzeilen, die regelmässig für erhitzte Debatten sorgen. Social Media verderbe die Aufmerksamkeit, künstliche Intelligenz nehme jungen Menschen das Schreiben ab, ganze Generationen drohten sprachlich zu verarmen. Das Bild einer «leseschwachen Gesellschaft» ist schnell gezeichnet. Aber wie tragfähig ist es? Fakt ist: Studien zeigen, dass die Lesekompetenz junger Menschen sinkt. Längere Texte zu erfassen, fällt schwer, Konzentrationsspannen schrumpfen. Gleichzeitig prägt Social Media eine Kommunikation in Fragmenten: Emojis, kurze Clips, maximal 280 Zeichen. Was in der Freizeit dominiert, beeinflusst zwangsläufig auch, wie Sprache gelernt und angewendet wird.
Das eigentliche Problem liegt jedoch nicht bei TikTok oder ChatGPT, sondern vielmehr darin, wie wir mit diesen Technologien umgehen. Jede neue mediale Zäsur wurde zunächst kritisch betrachtet. Das Fernsehen etwa wurde für den geistigen Niedergang künftiger Generationen verantwortlich gemacht. Heute ist es die Künstliche Intelligenz, die angeblich das Schreiben «überflüssig» machen werde. Aber, wer nicht selbst formulieren kann, wird auch mit KI keine starken Texte schaffen. KI ist kein Ersatz für Sprachkompetenz, sondern eine Unterstützung beim Verfassen von Texten.
Grosse Bedeutung für die Wirtschaft
Gerade für die Wirtschaft ist dies relevant. Führungskräfte müssen klar denken und formulieren können und brauchen auch Mitarbeitende, die klar denken und präzise kommunizieren können. Sprache ist keine Nebensache, sondern strategisches Kapital. Wer sich ausdrücken kann, überzeugt die Kundschaft, verhandelt besser und gestaltet Veränderung.
Es geht also nicht darum, Social Media zu verbieten oder KI zu verteufeln, sondern Sprache wieder ins Zentrum zu stellen. Nicht als Pflichtübung, sondern als Chance: für klarere Gespräche, bessere Entscheidungen, stärkere Teams. Unternehmen, die Sprache bewusst fördern, sei es durch Weiterbildung, durch klare Standards oder durch den reflektierten Einsatz neuer Tools, gewinnen sofort morgen an Schlagkraft.
Eine starke Wirtschaft braucht starke Sprachkompetenzen. Nicht, weil jedes Dokument literarisch glänzen müsste, sondern weil Verständigung das Fundament jeder Zusammenarbeit und jeder Innovation ist. Ohne Sprachkompetenz verlieren wir die Fähigkeit, unsere Gedanken präzise auszudrücken und mit unserer Umgebung klar zu kommunizieren, um gemeinsam unsere Zukunft gestalten zu können.
Über die Autorin
Isabel Schorer ist Mitinhaberin der PACE Communication AG in St.Gallen. Sie berät Gemeinden, Unternehmen und Institutionen in Fragen rund um Strategie, Kommunikation und Sichtbarkeit. Neben ihrer Arbeit als Unternehmerin engagiert sie sich als Kantonsrätin (FDP) sowie als Verwaltungsrätin von Konzert & Theater St.Gallen und Stiftungsrätin des Textilmuseums. Ausserdem hat sie gemeinsam mit Partnern die Plattform ki-kurse.ai ins Leben gerufen, die auch Politikerinnen und Politiker sowie Verwaltungen fit für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz macht.
pacecommunication.ch | isabelschorer.ch

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* Beim Event von «Unternehmerin Rheintal» trafen sich 110 Unternehmerinnen bei der Firma Jansen in Oberriet. * Es war ein Anlass mit spannenden, inspirierenden und herzlichen Begegnungen. * Ein laufendes Impulsprojekt heisst «Frauen in Räte», denn es braucht mehr Frauen in Verwaltungsräten.

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