* Der liberale Vordenker Gerhard Schwarz trat in Altstätten am Event «RTAG Perspektiven» auf. * Er benannte in seiner Rede fünf Trends, die unsere Gesellschaft orientierungslos machten, und plädierte für mehr Eigenverantwortung. * Man dürfe bei aller Fortschritts-Euphorie den Wert der Tradition nicht vergessen.

Wer Gerhard Schwarz reden hört, erlebt einen der profiliertesten liberalen Köpfe der Schweiz. Der gebürtige Vorarlberger, in St.Gallen heimatberechtigt, studierte Ökonomie an der Hochschule St.Gallen und prägte während knapp drei Jahrzehnten den Wirtschaftsteil der «Neuen Zürcher Zeitung». Von 2010 bis 2016 stand er an der Spitze der Denkfabrik Avenir Suisse, heute ist er Präsident der Progress Foundation. Sein Denken ist der ordoliberalen Tradition verpflichtet – der Staat schafft lediglich einen Rahmen für einen freien Markt –, und genau diese Brille legte er am Mittwoch auch über die Gegenwart.
Anlass war der Event «Perspektiven», zu dem die RTAG Immobilien & Treuhand an ihren Sitz in Altstätten geladen hatte. Vor den Gästen entwarf Schwarz in rund einer halben Stunde eine Diagnose der Gegenwart, die bewusst gegen den Strich bürstete.
Im Zentrum seiner Rede standen fünf Entwicklungen, die nach Schwarz’ Lesart zu einer wachsenden Orientierungslosigkeit beitragen. Den Anfang machte der hohe Wohlstand: Wo ein gutes Leben kaum noch Anstrengung verlange und vielfach geerbt sei, drohe Dekadenz – man fordere Freiheiten ein, ohne dafür Verantwortung übernehmen zu wollen. Als zweiten Trend nannte er die Globalisierung, bei der nationale Interessen zu wenig Gewicht erhielten. Drittens die Migration, die uns nach seiner Einschätzung noch Jahrzehnte beschäftigen werde. Von kontrollierter Zuwanderung profitiere eine Gesellschaft durchaus; schwierig würden jedoch Menge, Tempo, berufliche Qualifikation und kulturelle Differenz.
Der vierte Punkt galt der Säkularisierung. Diese verlaufe keineswegs überall zugunsten der Vernunft. Während die Kirche an Bedeutung verliere, werde andernorts ein stark konservativer Glaube über den Staat oder kämpferisch über andere Religionen gestellt. Menschen aber, so Schwarz, bräuchten spirituelle Gemeinschaften. Gemässigte Christen liefen jedoch Gefahr, vom fundamentalistischen Islamismus überrollt zu werden. Den fünften Trend sieht er im medizinisch-technischen Fortschritt und in der Digitalisierung. Das Internet bringe alles in Sekundenschnelle an den Küchentisch. Ob man deswegen bessere Entscheidungen treffe, sei aber fraglich. Der permanente Vergleich führe vielmehr zu Unzufriedenheit.
So kritisch die Diagnose, so klar fiel Schwarz’ Plädoyer aus. Nicht der Staat sei für das eigene Glück zuständig: Es gehe um das Streben nach Glück, nicht um einen Anspruch auf Glück. Eigenverantwortung gelte es zu stärken. Toleranz sei wichtig, doch sie habe rote Linien. Keine Toleranz dürfe es gegenüber den Intoleranten geben; eine Gesellschaft brauche einen Wertekompass. Mit Sorge blickt der Liberale zudem auf eine «schleichende Sozialdemokratisierung»: Bei einer Staatsquote von rund 40 Prozent arbeite man bis weit in den Frühling hinein faktisch nur für das Kollektiv.
Sein Schlussappell richtete sich an den Umgang mit dem Bewährten. Tradition dürfe nicht geringgeschätzt werden – einem reinen «Fortschrittsfetischismus» erteilte Schwarz eine Absage. Im anschliessenden Lunch fanden seine Thesen reichlich Gesprächsstoff.

* An den vier Anlaufstellen der zweiten «CEO Tour Ostschweiz» berichteten die Geschäftsführenden von ihren Strategien und auch ungeschminkt von ihren grossen Herausforderungen. * Von Wolf Storen über das Resort Hof Weissbad und der HSG bis zur FC St.Gallen Event AG führte die Reise im Car bei bester Stimmung durch die Ostschweiz. * Wegen des Erfolgs der beiden Veranstaltungen ist für den Frühling die dritte Tour geplant.

* Das St.Gallen Collegium stärkt den Ruf der Universität St.Gallen als einem interdisziplinären Denkplatz. * Von September 2026 bis Mai 2027 wird sich eine internationale Gruppe von sieben Forschenden mit den Herausforderungen digitaler Souveränität auseinandersetzen. * Souveränität ist zum Schlüsselbegriff einer Weltordnung geworden, in der politische, ökonomische und kulturelle Systeme zunehmend auseinanderdriften.

* Am 5. November findet das 25. Ostschweizer Technologiesymposium erstmals als eigener Sonderbereich der preXcon in St.Gallen statt. * Unter dem Motto «Produktion neu denken. Schnell. Smart. Nachhaltig.» stehen konkrete Anwendungen und Erfahrungsberichte aus der industriellen Praxis im Zentrum. * Die preXcon vom 3. bis 5. November ist die zentrale Plattform für Innovations- und Technologietransfer in der Präzisionstechnik.