* An den vier Anlaufstellen der zweiten «CEO Tour Ostschweiz» berichteten die Geschäftsführenden von ihren Strategien und auch ungeschminkt von ihren grossen Herausforderungen. * Von Wolf Storen über das Resort Hof Weissbad und der HSG bis zur FC St.Gallen Event AG führte die Reise im Car bei bester Stimmung durch die Ostschweiz. * Wegen des Erfolgs der beiden Veranstaltungen ist für den Frühling die dritte Tour geplant.

Nach einem ersten Kaffee in der Shopping Arena St.Gallen begrüsste Organisator Martin Oswald die 25 Führungskräfte zur bereits zweiten «CEO Tour Ostschweiz». Im Car ging es dann auf Inspirations-Tour durch die Region mit einem ersten Halt in Sennwald.

Vom Online-Startup-Chef zum CEO eines alteingesessenen Familienbetriebs
Dort im «Wolfsrevier» begrüsste sie Tobias Wolf, der neue CEO der Wolf Storen AG. Im modernen Hauptsitz vermittelte er der Gruppe in seinem Vortrag zum Thema «Startup-Spirit im KMU», wie er nach dem erfolgreichen Verkauf seines Startups OnlineDoctor den Familienbetrieb übernahm. Dabei sah er sich vielen Herausforderungen gegenüber. Nicht nur war er kein Metall-Fachmann, ungeachtet der Tatsache, dass er schon als Junge oft mit zu den Baustellen kam. Er musste auch feststellen, dass es im elterlichen Betrieb einigen Modernisierungsbedarf gab. Er beschrieb in seinem Vortrag drei wichtige Entwicklungen, die für KMU in einer sich verändernden Welt prägend sind: neue Geschäftsmodelle, Technologie und Digitalisierung sowie neue Kundenbedürfnisse. Wolf zeigte sich dankbar für die guten Startbedingungen, die er vorfand, denn das ermöglicht die Investitionen in die Zukunft des Unternehmens, das inzwischen weiter wächst. Kürzlich gab er «Business Class Ost» ein Interview, in dem er, wie auch an der CEO Tour, zu vielen Fragen ehrlich Stellung nahm.

Mit einer neuen Unternehmenskultur die Herausforderungen der Hospitality-Branche meistern
Schon bald war der Reisebus auf dem Weg zur zweiten Station, dem Resort Hof Weissbad. Das Ehepaar Susanne und Elias Leu, die als Co-Direktoren das Vier-Sterne-Superior-Unternehmen mit 90 Zimmern führen, berichteten zuerst kurz von den historischen Meilensteinen des Betriebs, der 1740 startete und seither auch immer wieder Rückschläge verkraften musste. Heute gehören drei Restaurants mit 16 Gault-Millau-Punkten, ein Seminarpark, ein Bade- und Saunahaus sowie verschiedene Eventlocations dazu. Der Betrieb mit seinen 25 Millionen Franken Umsatz und 40’000 Quadratmetern Land wird täglich von insgesamt 245 Mitarbeitenden betreut. Für alle gilt das vom Direktorenpaar bei ihrem Start vor zwei Jahren definierte Führungsleitbild «Fordern – Fördern – Fürsorge»: Geleitet wird mit Klarheit, Herz und Verantwortung, es wird eine hohe Leistung gefordert, Potenziale werden gefördert, und gleichzeitig steht der fürsorgliche Umgang mit den Mitarbeitenden im Zentrum.
Die beiden nahmen auch kein Blatt vor den Mund, wie sie bei der Übernahme restrukturieren mussten und deshalb viel Kritik einstecken mussten. Es zeigte sich allerdings, dass die Veränderungen und eine weiterentwickelte Unternehmenskultur am Ende die richtigen Entscheide waren. Nur so lassen sich die hohen Investitions- und Betriebskosten decken. Ein Beispiel: Viele aus der älteren Generation der ältesten Stammgäste geben jährlich sehr viel Geld aus im Resort, während die jüngeren Gäste pro Kopf deutlich weniger zum Umsatz beitragen. Es gilt für das Resort Hof Weissbad, neue Kundensegmente zu entdecken und neue Event-Formen anzubieten, ohne deswegen auf bewährte Stärken zu verzichten. Für 2029 ist ein Golfrestaurant mit angegliedertem Hotel geplant. Elias Leu, gelernter Koch und eidg. dipl. Hotelier SHL, fasste die Mission gegenüber den CEO-Tour-Gästen so zusammen: «Wir wollen den Hof Weissbad nicht neu erfinden. Wir wollen das, was uns seit Generationen besonders macht, in die Zukunft führen – mit Mut zur Veränderung, mit unternehmerischer Verantwortung und vor allem mit Menschen, die mit Herz Gastgeber sind.»

Wie bleibt man eine der besten Wirtschaftsuniversitäten?
Nach einem vorzüglichen Mittagessen ging die Reise weiter, zurück in die Stadt St.Gallen, zur Universität. Professor Manuel Ammann begrüsste die Gäste im Square, einem offenen Glasgebäude, welches neue Lernformen fördern soll. In seinem Vortrag unter dem Titel «Der Weg der HSG in die Zukunft» sprach er auch über die Limitationen des Lehrbetriebs. Die Universität knackt dieses Jahr die Grenze von 10’000 Studierenden mit einem Frauenanteil von 35 Prozent, wobei die Infrastruktur eigentlich nur auf 6000 Studierende angelegt wäre. Es herrscht also Platzmangel, und das Projekt «Platztor» mit dem Holzgebäude direkt am Rand der St.Galler Altstadt wird erst in einigen Jahren beziehbar sein. Hinzu kommen die Sparprogramme von Stadt und Kanton St.Gallen. In der Folge müssen die Aufnahmekriterien strenger definiert werden. Manuel Ammann betonte: In einer Welt, in der die Anforderungen an die Managerinnen und Manager von morgen ständig steigen, müsse auch die HSG ihre Ansprüche erhöhen, denn das Ziel sei klar: Man wolle auch in den kommenden Jahren zu den Besten aller Wirtschaftsuniversitäten gehören. Auf die Frage, wie die Uni auf die Herausforderungen der KI für die Lehre und die Studierenden reagiert, sagte Ammann, gegen die KI-Welle helfe nur eine noch bessere Aus- und Weiterbildung.

Zusammenstehen unter allen Umständen
Am späteren Nachmittag begrüsste Beat Kronenberg, CEO der FC St.Gallen Event AG, die Teilnehmenden in der Garderobe der Gästemannschaft im Berit Sitterstadion. Er zeigte beeindruckende Fakten: Der FC St.Gallen 1879 ist eine der wertvollsten Marken der Ostschweiz und bringt der Region eine Wertschöpfung von 73 Millionen Franken (die HSG bringt rund 313 Millionen Franken). Die Eigenkapitalquote beträgt stolze 59 Prozent, im Schnitt kann der Club fast 18’000 Zuschauerinnen und Zuschauer ins Stadion locken, womit zusammen mit anderen Veranstaltungen eine Stadion-Auslastung von 93 Prozent erreicht wird. Doch wichtiger als alle Zahlen sind Emotionen. Beim FCSG steht das Motto «Zämä» dafür; es drückt ein Zusammengehörigkeitsgefühl aus, das auch in schweren Zeiten und in Ausnahmesituationen trägt – just am Tag der ersten CEO Tour im Mai tobte der Führungskampf im Verwaltungsrat der Gruppe.
Beim abschliessenden Apéro hoch oben in der Tribüne konnte die CEO-Tour-Ostschweiz-Gruppe auch den grossen und recht schweren «Chübel» bewundern, den die St.Galler beim Cup-Finale in Bern im Mai nach Hause holen konnten.
Nächstes Jahr geht es auf die dritte CEO Tour Ostschweiz
Nicht zuletzt aufgrund des äusserst positiven Feedbacks der ersten CEO Tour und auch der zweiten konnte Organisator Martin Oswald schon jetzt versprechen, dass es im Frühling 2027 eine dritte Ausführung geben wird. Die ersten Anmeldungen dazu sind bereits eingegangen.
Stellvertretend hier ein Feedback, von Hassan Hjaij, CEO der KMU Upgrade GmbH in St.Gallen: «Was mich besonders beeindruckt hat: Alle Gastgeber sprachen nicht nur über ihre Erfolge. Sondern genauso offen über ihre aktuellen Herausforderungen. Genau diese Ehrlichkeit machte den Austausch so wertvoll. Denn voneinander Lernen beginnt dort, wo nicht nur die Schokoladenseite gezeigt wird. Genauso wertvoll war die lockere Atmosphäre. Zwischen den Stationen wurde diskutiert, gelacht und vernetzt. Fast wie auf einer Klassenreise. Nur mit anderen Themen im Gepäck. Und eines nehme ich besonders mit: Unsere gesamte Wirtschaft und Gesellschaft befinden sich im Wandel. Wir alle kommen nicht darum herum. Die Frage ist daher: ‹Wie gehen wir hindurch?› Umso schöner, dass die frischen Impulse dafür manchmal direkt vor der Haustür liegen.»


* Das St.Gallen Collegium stärkt den Ruf der Universität St.Gallen als einem interdisziplinären Denkplatz. * Von September 2026 bis Mai 2027 wird sich eine internationale Gruppe von sieben Forschenden mit den Herausforderungen digitaler Souveränität auseinandersetzen. * Souveränität ist zum Schlüsselbegriff einer Weltordnung geworden, in der politische, ökonomische und kulturelle Systeme zunehmend auseinanderdriften.

* Am 5. November findet das 25. Ostschweizer Technologiesymposium erstmals als eigener Sonderbereich der preXcon in St.Gallen statt. * Unter dem Motto «Produktion neu denken. Schnell. Smart. Nachhaltig.» stehen konkrete Anwendungen und Erfahrungsberichte aus der industriellen Praxis im Zentrum. * Die preXcon vom 3. bis 5. November ist die zentrale Plattform für Innovations- und Technologietransfer in der Präzisionstechnik.

* Moderatorin Rosie Hörler spricht am Donnerstag, 1. Oktober, um 19 Uhr mit Gabriela Manser, VR-Präsidentin Goba AG Mineralquelle und Manufaktur, und um 20 Uhr mit Tina Gautschi, CEO der Gautschi-Gruppe, über ihre Lebenswege, ihre Engagements, ihre Visionen und Erfahrungen. * Die letzten zwei öffentlichen Gespräche finden im alten Hallenbad Rosenau in Gossau statt. * Der Eintritt ist kostenlos.