Erfolgreich investieren – trotz politischem Wirrwarr und KI-Unsicherheiten

* Grundsätzlich gelten die Grundregeln des Investierens: diversifizieren, Kosten sparen und wissen, was man kauft. * Neue Phänomene wie die disruptive KI und die Geopolitik zwingen zu einigen Anpassungen. * Unter diesen Umständen kommt Gold eine neue Bedeutung zu.

Hypo Vorarlberg Bank AG
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Veröffentlicht am

23.1.2026

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KOMMENTAR

Erfolgreich investieren Hypo Bank Vorarlberg St.Gallen PC
Wie investiert man angesichts neuer Ungewissheiten wie KI und Geopolitik geschickt? Ein wichtiges Element ist Gold.

Die Finanzwelt befindet sich im Dauerstress. Die Börsenindizes sprechen auf den ersten Blick zwar eine andere Sprache, aber die tiefen Zinsen, der Missbrauch von Marktabschottungen für politische Zwecke in den USA und Anfang Woche auch in Italien sind zusammen mit den ständigen Ungewissheiten über die wirtschaftliche Zukunft harte Kost für Anlegerinnen und Anleger. Die aktuelle Kombination von Konjunkturschwäche, Geopolitik und dem KI-Impact ist ein neues Phänomen – und dann stellt sich die Frage, ob die bisherigen Rezepte noch greifen.

Das bekommen nicht nur Privatinvestorinnen zu spüren – auch Institutionelle wie etwa Pensionskassen reden von einem seit Monaten andauernden «Anlagenotstand». Will heissen: Sichere Anlagen wie Obligationen und Anleihen werfen praktisch keine Zinsen mehr ab, die stets fälligen Bankgebühren sinken kaum, und andere Anlageformen mit potenziell höheren Performances sind entsprechend risikobehaftet. Muss man nun also deutlich höhere Risiken eingehen und auch mehr Gebühren zahlen, wenn man für sein Portfolio noch eine anständige Rendite erreichen will? Die gute Nachricht lautet: Das muss man nicht. Man muss einfach ein paar bewährte Grundregeln beachten und neu Faktoren wie KI und die Geopolitik im Auge behalten. Konkret: Wie wird die KI die Geschäftsmodelle verändern? Welche Themen und Branchen dürften vom KI-Boom profitieren, ohne dass sich das bereits in den Kursen zeigt? Mit Gold kann man zudem kurzfristige Schwankungen dämpfen – trotz aller Nachteile des Goldes.

Gut anlegen in turbulenten Zeiten – aber wie?
Die erste eiserne Regel lautet noch immer: Nicht alles auf ein Pferd setzen. Also diversifizieren. Das bedeutet, das Kapital auf verschiedene Töpfe verteilen, auf verschiedene Anlageklassen mit unterschiedlichen Risiken. Und nicht alles aufs Mal investieren – denn den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Je nach Risikofähigkeit schwankt der Anteil an festverzinslichen Produkten. Das typische Portfolio enthält auch rund 5 Prozent an Gold, sei es direkt als physische Anlage oder als ETF. Den Löwenanteil des Portfolios kann man gut in (defensive) Aktien investieren, die auf lange Sicht und dank breiter Branchen- und Regionen-Streuung in den letzten zweihundert Jahren immer mit die besten Erträge generierten. Einen kleinen Teil kann man als eine Art «Spielgeld» einsetzen, sich also über Gewinne freuen, muss aber Verluste problemlos verschmerzen können. Bei selbst bewohnten Immobilien kann es sich lohnen, die Amortisation zu reduzieren und in Aktien zu investieren.

Die zweite eiserne Regel lautet: Hin und her macht Kasse leer. Gewinne sind nur erwartbar, die verschiedenen Gebühren dagegen fallen immer an, auch bei negativer Performance. Deshalb gilt es, auf teure, aktiv verwaltete Fonds zu verzichten. Nur die wenigsten schlagen den immer effizienteren Markt, trotz blumiger Vorhersagen.

Die dritte eiserne Regel lautet: Investiere nur in Produkte, die Du kennst. Man sollte sich also nicht von Bankberatern schwindlig machen lassen, die nur von Chancen und Steuerersparnissen sprechen, das Kostenmoment aber geflissentlich unter den Tisch fallen lassen. Am besten lässt man sich den Inhalt eines Beratungsgesprächs protokollieren. Ist eine Bank dazu nicht bereit, ist Skepsis angesagt.

Das führt zu einem weiteren wichtigen Grundprinzip: Für die individuelle Analyse der Risikobereitschaft, der Riskofähigkeit und des Anlagehorizonts, gepaart mit vielen weiteren Profil-Daten, sollte man genug Zeit einplanen. Im Vergleich dazu braucht die eigentliche Anlagetätigkeit nur einen Bruchteil der Zeit.

Beachtet man diese Grundregeln, entkommt man der psychologischen Falle der Unsicherheit. Denn gerade in turbulenten Zeiten ist ein nüchterner Blick auf die Märkte und eine Strategie, die ihren Namen verdient, das beste Mittel für ein robustes Verhalten und das gezielte Nutzen von Marktchancen oder Volatilität. Tagesnews und -börsenstände kann man dann getrost ignorieren.

www.hypobank.ch

Drei Fragen an Walter Ernst, Niederlassungsleiter und Regionaldirektor Schweiz, Hypo Vorarlberg Bank AG in St.Gallen
Walter Ernst, Niederlassungsleiter und Regionaldirektor Schweiz, Hypo Vorarlberg Bank AG in St.Gallen.
Wir sehen lauter Krisen – ist der Kauf von Gold als krisensicheres Instrument noch attraktiv?
Spannenderweise haben wir einen kombinierten Zeitraum von steigenden Aktienkursen, sinkenden Zinsen und rasant steigenden Gold- und neuerdings auch Silberpreisen hinter uns. Die People’s Bank of China hat ihre Goldreserven im Dezember weiter aufgestockt und hält nun rund 2300 Tonnen. Die Nachfrage ist inzwischen breit, neben den Notenbanken kaufen nun auch private Anlegerinnen und Anleger und auch grosse Asset Manager. Das macht uns in Bezug auf weitere Investments etwas vorsichtiger. Aber Gold wird seinen Status als krisenresistentes Anlagegut behalten und gehört mit 5 bis 10 Prozent des gesamten Kapitalvermögens allokiert.
Gerade jüngere Anlegerinnen und Anleger sehen den Bitcoin als attraktiven Ersatz zu Gold an – was ist davon zu halten?
Wir sehen eine zunehmende Korrelation zwischen Tech-Aktien und Kryptowährungen. Insbesondere Bitcoin zeigt eine hohe Korrelation mit dem NASDAQ 100. In Zeiten hoher Volatilität und Unsicherheit neigen beide Anlageklassen dazu, ähnliche Bewegungen zu zeigen. Das heisst: Sollte man schon stark in KI investiert sein, sollte der Krypto-Anteil eher tief sein und andersherum.
Es gibt Stimmen, die vor dem Platzen einer KI-Aktienblase warnen – wie kann man sich absichern?
Zunächst mal gilt es zu analysieren, wie viel KI man in seinem bestehenden Portfolio hat. Werte wie Nvidia, Apple, Microsoft oder Broadcom haben mittlerweile so hohe prozentuale Anteile an den weltweiten Indizes, dass man beispielsweise über einen MSCI World ETF schon sehr viel KI kauft. Da macht es wenig Sinn, sich zusätzlich noch die einzelnen KI-Aktien ins Depot zu legen. Wir sehen auch einen gewissen Korrekturbedarf und haben im Spätherbst bereits alle Themeninvestments in Richtung KI aus den Portfolios in der Vermögensverwaltung herausgenommen. Das senkt die Volatilität, das heisst den Anfälligkeitsgrad des Portfolios für eine KI-Korrektur. Wir wissen aber auch, dass Trends auch bei Überhitzungen durchaus noch eine Weile weiterlaufen können bzw. dass die grossen KI-Unternehmen durchaus in der Lage sind, ihre hohen Bewertungen durch künftige Gewinne zu bestätigen.
Die Niederlassung in der Bankgasse in St.Gallen.
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