* Am Inspirationskaffee vom 26. November in Heerbrugg referierten zwei Währungsexperten von Raiffeisen Schweiz über den richtigen Umgang mit Fremdwährungsrisiken und die wirtschaftspolitische Lage. * KMU, die sich nicht mit dem Thema beschäftigten, gingen so meist unbewusst Risiken ein. * In Zeiten ständiger Überraschungen sollten KMU auch an ihre Liquiditätsplanung denken.

Mathias Weder, Leiter Firmenkundenberatung der Raiffeisenbank Mittelrheintal, konnte die zahlreichen Teilnehmenden um 07.30 Uhr im Restaurant s’Madlen in Heerbrugg zur 10. Veranstaltung der Event-Reihe «Inspirationskaffee» begrüssen – die erste Veranstaltung fand im August 2023 statt. Das Thema hiess «Exportieren? Mit Sicherheit! Wie Devisenmanagement, Absicherungen und Unterstützung Exportgeschäfte kalkulierbar machen». Ein langer Titel, fand Mathias Weder: «Fast so lang wie unsere AGB …»

Die US-Wirtschaftspolitik geht nicht nach Lehrbuch vor
Zur «Exportindustrie in der Mangel» referierte zuerst Alexander Koch, Leiter Konjunktur- und Zinsanalyse bei Raiffeisen Schweiz, und gab einen makroökonomischen Überblick über die Währungs- und Zinssituation. Die Wirtschaftspolitik, erklärte er, habe in letzter Zeit wilde Blüten getrieben und sei zumindest bisher nicht nach Lehrbuch verlaufen, und das nicht nur in den USA, das Land des Herrn mit den roten Haaren im Weissen Haus, also der «Elefant im Raum» oder besser das «Chamäleon im Raum». Koch fasste die Entwicklung der Zölle zusammen und die Probleme des «unterinvestierten» Deutschland, das die gesprochenen Milliardenbeträge noch wenig in reale Projekte habe umsetzen können.
Die Inflationsrate der Schweiz schätzt er für nächstes Jahr auf 0,5 Prozent, der Leitzins der SNB werde vermutlich auch 2026 nicht unter null Prozent sinken. Aber eben, Überraschungen seien jederzeit möglich. Für die Schweizer und auch Rheintaler Exportindustrie bleibe die Situation anspruchsvoll; von einem glimpflichen V-Verlauf der Zollkrise könne leider keine Rede sein. Gerade die energielastigen Sektoren der Schweizer Industrie wanderten bereits seit Jahren meist nach Deutschland, zumal die Schweiz in Europa Stromkosten-Spitzenreiter sei.

Für Planungssicherheit sorgen
Rosario Loria nahm das Stichwort der Überraschungen auf, denn die könnten jederzeit eintreffen und alle Unternehmen belasten, die bei knapper Marge und ungünstigem Verlauf der Wechselkurse empfindliche Einbussen riskierten. Trotzdem würden sich nur rund 40 Prozent für eine systematische Währungsabsicherung entscheiden und damit Risiken vermeiden. Warum es viele nicht tun, habe zwei Gründe, so der erfahrene Leiter FX Advisory & Direct Access Customer bei Raiffeisen Schweiz: Entweder eine besondere «Lust am Risiko», in den meisten Fällen allerdings pures «Unbewusstsein». Er stelle in Gesprächen mit Unternehmerinnen und Unternehmern immer wieder fest, dass man sich schlicht keine grosse Gedanken über die Währungsrisiken mache und so eigentlich keine Übersicht über diesen Business Case habe.
Mit Hilfe der Währungsabsicherung, die es in vielen Formen gebe und für jede Bankkundin angepasst werde, sinke nicht nur das Risiko, sondern steige auch die Plan- sprich Kalkulierbarkeit. Ein wichtiger Aspekt dabei sei die Liquiditätsplanung. Denn viele Rheintaler KMU hätten keine dick gepolsterte Liquidität und könnten so auch die Zeitverzögerungen zwischen Vertragsschluss und Bezahlung nicht mit einzelnen Devisengeschäften ausgleichen. Lorias Tipp: «Machen Sie sich Gedanken und sorgen Sie für Planungssicherheit.»
Der nächste Anlass des Inspirationskaffees findet am Mittwoch, 25. Februar 2026, zum Thema «Von Boomer bis GenZ: 4 Generationen, 1 Ziel? Wie schaffen wir eine erfolgreiche und sinnstiftende Zusammenarbeit» statt.
Siehe auch das Interview auf «Business Class Ost» mit Alexander Koch zum Umgang von Ostschweizer KMU mit Währungsrisiken.


* Beim VW-Konzern drohen Werksschliessungen, bis zu 100’000 Stellen sind in Gefahr. * Die Schweiz ist stark in die Wertschöpfungskette der deutschen Automobilindustrie eingebunden. * Zwischen Januar und Juni ist die Ausfuhr von Teilen und Zubehör für die Automobilindustrie um nahezu 12 Prozent gesunken.

* Gabriel Brenna organisiert die Führung von Raiffeisen neu und setzt einen Ex-CS-Banker an die Spitze der neu geschaffenen Privatkunden-Einheit. * Das berge Risiken, schreibt der «Handelszeitung»-Redaktor und Banken-Spezialist Holger Alich in seinem Kommentar. * Dass Zentrale und Mitgliedsbanken an einem Strang ziehen, sei der wichtigste Job des neuen Raiffeisen-Chefs.

* Die Jansen AG mit Hauptsitz in Oberriet wird die Marktbearbeitung für Stahlsysteme in der Schweiz per 1. Januar neu ausrichten und den Markt künftig direkt bearbeiten. * Mit diesem Schritt will das Unternehmen die direkte Beziehung zu seiner Kundschaft stärken und eine durchgängige Betreuung aus einer Hand sicherstellen. * Jansen entwickelt, produziert und vertreibt Stahlprofilsysteme für Fenster, Türen und Fassaden sowie Kunststoffprodukte für die Bauindustrie.