* Nimrod Malinas studierte Theologie und Sozialarbeit in Rumänien. Dann kaufte er in Altstätten einen Zulieferer der Lackierindustrie. * Heute vermietet sein Unternehmen Roboter an Industriekonzerne in ganz Europa, auch an den Flughafen Zürich. * Der «Bilanz»-Preisträger über sein Startup, seine Motivation und auch schwierige Momente.

Nimrod Malinas stammt aus dem ungarischsprachigen Rumänien und wuchs in einer Unternehmerfamilie auf. Während eines Aufenthalts in Vorarlberg stiess er auf ein Stelleninserat der Altstätter K. Lips AG, die einen Geschäftsführer und zugleich einen potenziellen Käufer suchte. Die Firma lieferte Applikationstechnik für die Lackierindustrie, also die Technik, mit der Lack auf das Werkstück kommt. Malinas übernahm sie, ihre Geschäftsräume sind bis heute Sitz von Robonnement. Aus der K. Lips AG ist die Robonnement AG geworden, ein Name, der sich aus «Roboter» und «Abonnement» zusammensetzt.
Bald nach seinem Einstieg erkannte Malinas, wie schädlich die Arbeitsbedingungen in Lackier- und Spritzabteilungen sein können. Er begann, einfache Spritzroboter aus Italien zu importieren. Diese lernen eine Bewegung und können sie anschliessend beliebig oft wiederholen. Doch Malinas wollte mehr. Robonnement entwickelte sich zu einer Plattform für frei programmierbare Spritz- und Reinigungsroboter sowie für selbstfahrende Abfallsammler.
Das Geschäftsmodell ist ungewöhnlich: Die Hardware kommt aus dem Ausland und kostet je nach Modell einen fünf- bis sechsstelligen Betrag. Robonnement übernimmt dafür Programmierung, Wartung und die Integration in die IT-Infrastruktur des Kunden. Alles zusammen gibt es im Abonnement. Als nächsten Schritt will das Unternehmen die Roboter mittels künstlicher Intelligenz zuhören und sprechen lassen, damit sie auch mündliche Anweisungen verstehen können.
Die Robonnement AG hat eine Tochtergesellschaft in Hamburg sowie eine Niederlassung in Rumänien und zählt in ganz Europa grosse Unternehmen zu ihrer Kundschaft. Dazu gehören Hersteller und Zulieferer aus der gesamten Automobilindustrie, dazu Schneider Electric, der Felgenhersteller Borbet und die Krone-Gruppe. Im August erhielt Robonnement von der Flughafen Zürich AG den Zuschlag für den Einsatz autonomer Serviceroboter.
Inzwischen fahren die Robonnement-Roboter durch die Terminals. Sie sammeln in ihren Bäuchen Abfall ein, erkennen, wann sie voll sind und zur Station zurückkehren müssen, und können gezielt in Bereiche mit besonders vielen Menschen geschickt werden. Nach einem Pilotversuch mit fünf Robotern war der reguläre Auftrag zunächst auf 17 Roboter ausgelegt, inzwischen sind es 18.
Sie haben ursprünglich Theologie studiert und sich anschliessend zum Sozialarbeiter ausbilden lassen. Wie kam es zum Gesinnungswechsel mit dem Unternehmertum? Und wie sind Sie als junger Mann an das Geld für den Unternehmenskauf gekommen?

Es gab keinen Gesinnungswandel. Schon während des Studiums ging es mir darum, den Menschen zu helfen. Dasselbe gilt für meine Sozialausbildung. Aber im Laufe der Jahre fand ich einfach Gefallen daran, es als Unternehmer zu tun, etwa für bessere Arbeitsbedingungen für die Lackierer zu sorgen. Mein Vater war schon Unternehmer, da war der mentale Weg nicht mehr weit. Das Kapital für den Firmenkauf hatte ich nicht. Ich hatte eine Vision davon, wohin es mit der Robotik gehen kann, und ich habe jemanden gefunden, der genug an mich geglaubt hat, um mir das Darlehen für den Kauf zu geben.
Was bedeutet der Auftrag des Flughafens Zürich für Robonnement?
Das Umsatzvolumen ist nicht riesig, aber der Flughafen ist ein wichtiges Tor in die Schweiz. Alle, die hier ankommen, sehen Robonnement aus Altstätten. Das ist etwas verrückt. Der Auftrag ist aus zwei Gründen wichtig für uns: einmal die Roboter dort zu haben und zweitens als Technologiepartner bezeichnet zu werden von einem der modernsten Flughäfen der Welt.
Im Pilotprojekt gab es Kritik daran, dass die Roboter nicht alles erledigen konnten. Was ist heute anders?
Das Pilotprojekt war komplett anders aufgestellt. Die Roboter hatten keine Schnittstelle zum Flughafen, es gab keine Kommunikation zwischen unseren Systemen und denen des Flughafens. Wir wussten auch nicht, wann die Roboter voll waren. Jetzt ist unsere Technologie im Einsatz, die wir speziell für den Flughafen entwickelt haben. Der Roboter sieht, wenn er voll ist und zurückmuss und wann er in eine «Hot Zone» gehen muss, wo sich viele Leute aufhalten.
Welche Fachkräfte braucht es für solche Roboter?
Integratoren. Es sind nicht typischerweise Programmierer. Unsere Leute müssen auch die Analyse von Bewegungen beherrschen, eben Robotik. Man muss etwas von Mechanik verstehen, von Prozesstechnik, Programmierung und KI. Menschen, die das alles können, findet man nicht einfach so. Man muss sie intern trainieren.
Laut «Bilanz» beträgt Ihr Vermögen 10 bis 20 Millionen Franken. Wie kam das?
Ich war selbst überrascht, als ich das las. Die Zeitschrift hat eine Unternehmensbewertung aus dem letzten Jahr genommen und daraus meinen Anteil hochgerechnet, da ich der grösste Aktionär bin. Nur liegt dieses Geld nicht auf meinem Bankkonto, es steckt im Unternehmen. Es ist auch nicht mein Ziel, reich zu werden. Vermögend zu werden ist ein angenehmes Nebenprodukt unternehmerischer Tätigkeit. Mich motiviert der Prozess fast mehr als das Ergebnis. Es geht darum, an etwas zu glauben, zu begeistern, etwas zu bewirken, beispielsweise bessere Arbeitsbedingungen. Nicht die Arbeiter einfach zu entlassen, sondern ihnen sinnvollere Arbeit zu geben.
Sie sprechen von Optimismus. Gab es auch Momente, in denen Sie nicht mehr weiterwussten?
Absolut. Es gab Tage, an denen ich nicht wusste, wie es weitergeht. Ich wusste nicht, ob ich morgen noch die Löhne zahlen kann. Ich sass allein im Auto und wusste: Jetzt ist es wohl zu Ende. Eine halbe Stunde später rief mich ein Kunde an und unterschrieb innerhalb eines Tages einen Vertrag.
Und Altstätten bleibt Ihr Standort?
Altstätten ist mittlerweile mein Zuhause. Wir haben hier im Rheintal einige interessante grosse Unternehmen, eine ausgezeichnete Infrastruktur und ein positives Verhältnis zum Unternehmertum. Hier gilt ein Handschlag fast mehr als ein schriftlicher Vertrag. Zudem sind wir nahe an der Grenze zu EU-Ländern. Es gibt allerdings Pläne, in Richtung Zürich zu ziehen, da wir dort als Deep-Tech-Unternehmen ein ebenfalls sehr gutes Umfeld hätten.

* Die Schneider Schuhe AG erhält die erste «St.Galler Perle» der Stadt St.Gallen. * Das City Management würdigt damit ihren Beitrag zu einer lebendigen Innenstadt. Verliehen wurde die Auszeichnung am Stadtimpuls 2026 vor rund 80 Gästen. * Neben der Gewinnerin wurden auch die vier weiteren Finalisten gewürdigt: Die Manufaktur GmbH, Hotel Dom, Jeanswerk AG und Mode Weber.

* Ab dem 1. Oktober gilt in der Schweiz ein neues Transparenzgesetz. Es verpflichtet zahlreiche Unternehmen, ihre wirtschaftlich berechtigten Personen in einem zentralen Transparenzregister zu melden. * Für viele KMU bedeutet dies keine grundlegende Änderung ihrer Unternehmensstruktur – wohl aber eine neue gesetzliche Melde- und Aktualisierungspflicht. * Ein Fachmann erklärt, worauf KMU jetzt achten müssen.

* Thomas Nägele, Rechtsanwalt und Managing Partner bei der Nägele Rechtsanwälte GmbH, wurde am an der Award Night in Schaan ausgezeichnet. * Die Jury würdigt damit seine unternehmerische Weitsicht, seine Pionierarbeit an der Schnittstelle von Recht und Technologie sowie seinen Beitrag zur Sichtbarkeit des Wirtschaftsstandorts Liechtenstein. * Der Entrepreneur Of The Year (EOY) ist Teil eines internationalen Programms, das von EY in mehr als 60 Ländern durchgeführt wird.