* Vorsorgekapital sollte nicht bloss verwahrt, sondern professionell bewirtschaftet werden – angepasst an den persönlichen Zeithorizont, die Risikofähigkeit und die steuerliche Planung. * Gerade für vermögende Kundinnen und Kunden bietet ein transparentes Multi-Asset-Mandat in der zweiten und dritten Säule die Chance, langfristige Ertragspotenziale breit abgestützt zu erschliessen. * Wesentlich dabei ist, die nötige Kontrolle über Risiken und die Liquidität zu behalten.

Die gebundene Vorsorge besitzt einen entscheidenden Vorteil: Sie ist von Natur aus langfristig angelegt. Wer über einen mehrjährigen, idealerweise zehn- bis fünfzehnjährigen Anlagehorizont verfügt, kann temporäre Schwankungen an den Kapitalmärkten eher tragen als bei frei verfügbarem Vermögen. Damit wird es möglich, neben Liquidität und Obligationen auch global diversifizierte Aktienanlagen, Immobilien- und Infrastrukturwerte sowie ausgewählte reale Anlagen einzusetzen. Wertschriftenlösungen bieten langfristig höhere Renditechancen als reine Kontolösungen, sind jedoch mit Marktrisiken und zwischenzeitlichen Wertschwankungen verbunden.
Entscheidend ist eine robuste Gesamtarchitektur, und das ab 50'000 Franken
Ein breit aufgestelltes Multi-Asset-Mandat verbindet deshalb unterschiedliche Renditequellen: globale Aktien, Qualitätsobligationen, Geldmarktinstrumente, Immobilien, Infrastruktur sowie gezielte Satellitenanlagen. Im Mittelpunkt steht nicht die Prognose einzelner Märkte, sondern eine robuste Gesamtarchitektur. Kundinnen und Kunden sehen dabei jederzeit klar, in welche Anlageklassen ihr Vorsorgevermögen investiert ist – eine Transparenz, die gerade bei grösseren Vorsorgeguthaben entscheidend ist.
Unsere Vermögensverwaltung steht ab 50'000 Franken in der Säule 3a und ab 100’000 Franken im Freizügigkeitsbereich der zweiten Säule zur Verfügung. Sie verbindet eine individuell passende strategische Vermögensaufteilung mit einer professionellen, laufenden Umsetzung.
Aktives Management, effizient umgesetzt
Aktives Management bedeutet in diesem Kontext nicht, kostspielig Einzeltitel zu handeln oder kurzfristigen Marktgeräuschen zu folgen. Vielmehr heisst es, die strategische Anlagepolitik kontinuierlich zu überwachen, Risiken aktiv zu steuern und Veränderungen bei Bewertungen, Konjunktur, Zinsen, Inflation sowie geopolitischen Entwicklungen sinnvoll in die Portfoliokonstruktion einfliessen zu lassen.
Die Umsetzung erfolgt überwiegend über hochliquide ETFs («Exchange Traded Fund», also Indexfonds). Diese erlauben eine breite Diversifikation innerhalb der jeweiligen Anlageklasse, eine hohe Handelbarkeit und in der Regel tiefe laufende Produktkosten, gemessen an der «Total Expense Ratio» (TER). So wird die Kosteneffizienz passiver Indexinstrumente mit der aktiven Steuerung eines professionell geführten Multi-Asset-Mandats verbunden: Die Auswahl der Anlageklassen, die Gewichtung der Risiken und die gezielte Ergänzung durch Themen- und Realwertanlagen bleiben aktive Entscheidungen.
Zusätzlich werden ausgewählte Themen-ETFs eingesetzt – beispielsweise im Bereich technologischer Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI). Dieser Bereich umfasst nicht nur Softwareanbieter, sondern insbesondere Halbleiterproduzenten, Rechenzentren, Netzinfrastruktur, Energieversorgung und spezialisierte Hardware: jene wirtschaftlichen Voraussetzungen, auf denen die zunehmende Nutzung von KI beruht. Solche Anlagen sind bewusst als Beimischung konzipiert, nicht als Ersatz für den global diversifizierten Kern des Portfolios.
Diversifikation des Gesamtportfolios
Eine überzeugende Diversifikation geht über die Streuung von Aktien verschiedener Länder hinaus. Sie verbindet verschiedene Konjunktur- und Inflationssensitivitäten. Ergänzend zu Aktien und Obligationen werden Rohstoff-ETFs auf Energie – etwa Rohöl und Erdgas – sowie auf Edelmetalle eingesetzt. Diese Anlagen können in Phasen höherer Inflation, geopolitischer Spannungen oder knapper Energieangebote andere Werttreiber aufweisen als klassische Aktien- und Obligationenmärkte. Ihre Rolle besteht primär darin, das Gesamtportfolio widerstandsfähiger zu machen; sie sind keine kurzfristige Renditewette.
Gerade in einem Marktumfeld, in dem KI-Infrastruktur und ausgewählte Rohstoffsegmente deutlich von strukturellen und zyklischen Impulsen profitieren, können solche Beimischungen die Rendite eines breit diversifizierten Portfolios sichtbar unterstützen. Gleichzeitig gilt: Die positive Entwicklung einzelner Themen oder Rohstoffe ist weder linear noch garantiert. Deshalb werden diese Positionen begrenzt, breit umgesetzt und konsequent in ein Gesamtportfolio eingebettet. Ein Beispiel dafür ist ein KI-Infrastruktur-ETF, der per Ende August 2026 im laufenden Jahr rund 52 Prozent auf NAV-Basis zulegte, während der S&P 500 Total Return Index im gleichen Datenstand bei rund 13 Prozent lag. Dies illustriert das Potenzial solcher Satellitenanlagen, ersetzt jedoch keinesfalls die Diversifikation des Gesamtportfolios.
Wichtiges Rebalancing
Ein wesentlicher Bestandteil unseres Ansatzes ist das monatliche Rebalancing. Dabei wird das Portfolio systematisch an die definierte strategische Zielallokation zurückgeführt: Übergewichtete Anlageklassen werden reduziert, untergewichtete gezielt aufgestockt. Rebalancing dient damit zuerst der Risikokontrolle. Ohne Korrektur kann sich etwa ein ausgewogenes Portfolio nach einer langen Aktienhausse schleichend in ein deutlich aktienlastigeres und damit risikoreicheres Portfolio verwandeln.
Der Performancevorteil liegt nicht in einer verlässlichen Zusage für Zusatzertrag. Er entsteht vielmehr aus einer disziplinierten Umsetzung: Gewinne werden teilweise realisiert, nachgebende Anlageklassen werden regelbasiert nachgekauft, und das Portfolio bleibt dem vereinbarten Risikoprofil treu. Untersuchungen zeigen, dass rebalancierte Portfolios gegenüber nicht rebalancierten Portfolios eine bessere Rendite pro Risikoeinheit erreichen. Monatliche Überprüfungen schaffen zudem die notwendige Nähe zum Marktgeschehen, ohne die langfristige Anlagepolitik durch kurzfristigen Aktionismus zu ersetzen.
Zwei Stiftungen schaffen Optionen
Wer beim Austritt aus einer Pensionskasse sein Freizügigkeitsguthaben auf zwei voneinander unabhängige Freizügigkeitsstiftungen verteilt, schafft vor allem steuerliche und zeitliche Flexibilität. Die gesetzlich zulässige Aufteilung auf maximal zwei Einrichtungen muss beim Übertrag erfolgen; nachträglich lässt sich ein bereits bei einer einzelnen Stiftung liegendes Guthaben grundsätzlich nicht mehr aufteilen.
Der zentrale Vorteil liegt im späteren gestaffelten Bezug: Werden die beiden Guthaben in unterschiedlichen Kalenderjahren bezogen, kann dies die Progression der Kapitalauszahlungssteuer reduzieren. Da Vorsorgekapitalbezüge im gleichen Jahr in vielen Konstellationen zusammen betrachtet werden, sollte die Planung stets auch Bezüge aus der Säule 3a, Pensionskasse und Freizügigkeit einbeziehen. Die konkrete Steuerwirkung hängt immer vom Wohnkanton, Zivilstand, Bezugszeitpunkt und der gesamten Vorsorgesituation ab.
Vom Vorsorgevermögen zum Privatvermögen
Mit dem Bezug endet die Anlageplanung nicht – im Gegenteil. Das ausbezahlte Vorsorgekapital kann bei uns nahtlos in eine klassische Vermögensverwaltung überführt werden. Dadurch bleibt das Vermögen investiert, und der Anlagehorizont verlängert sich über den eigentlichen Pensionierungszeitpunkt hinaus.
Gerade für Anlegerinnen und Anleger mit substanziellem Gesamtvermögen eröffnet dies eine höhere Risikotragfähigkeit: Nicht jeder Kapitalteil muss kurzfristig konsumiert werden, wenn laufende Einkommen, Renten, Liquiditätsreserven und weitere Vermögenswerte den Bedarf decken. So kann ein wohlstrukturierter Anteil des Vermögens weiterhin langfristig investiert bleiben – mit derselben Transparenz, professionellen Steuerung und Diversifikation, die bereits während der Vorsorgephase den entscheidenden Unterschied machen.
Walter Ernst, Niederlassungsleiter und Regionaldirektor Schweiz, Hypo Vorarlberg Bank AG in St.Gallen


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