Das Projekt Wil West wird in der Regio Wil kontrovers diskutiert. Als Stadt- und Raumplanerin sowie Projektleiterin bei der Regio Wil möchte ich das Vorhaben fachlich einordnen und die planerischen Hintergründe darlegen.

Arbeitsplätze und raumplanerische Einordnung
In der öffentlichen Diskussion wird zunehmend gefragt, ob in unserer Region nicht bereits sehr viele Arbeitsplätze bestehen und ob zusätzlicher Entwicklungsbedarf überhaupt ausgewiesen ist. Die Regio Wil ist ein starker Arbeitsstandort. Aus raumplanerischer Sicht ist eine hohe Zahl an Arbeitsplätzen kein Problem, sofern sie an gut erschlossenen Standorten konzentriert werden, so wie es das Raumplanungsgesetz verlangt (RPG, Art. 3 Abs. 3a). Wil West ermöglicht es, Arbeitsplätze zu bündeln, Fachkräfte in der Region zu halten und damit Wegpendelnden eine Perspektive vor Ort zu geben. Heute gibt es in der Agglomeration Wil mehr Weg- als Zupendelnde (BfS Strukturerhebung 2020–2022). Hier setzt das Projekt gezielt an.
Verkehr, Bündelung und räumliche Organisation
Auch die verkehrliche Dimension wird häufig kritisch hinterfragt. Verkehr entsteht jedoch primär durch Zersiedelung, nicht durch Bündelung. Konzentrierte Arbeitsgebiete mit guter Erschliessung ermöglichen einen effizienten öffentlichen Verkehr, kurze Wege und eine gezielte Verkehrsführung. Wil West verhindert Zersiedelung, entlastet bestehende Siedlungen und bündelt zusätzlichen Flächenbedarf, der durch Ausgleichsmassnahmen abgefedert wird. Es geht nicht um Verkehrsvermeidung durch Stillstand, sondern um eine bessere räumliche Organisation.
Innenentwicklung und verfügbare Flächenreserven
In diesem Zusammenhang wird oft die Forderung nach Innenentwicklung genannt. Zu Recht, denn sie hat in der heutigen Raumplanung klar Vorrang und ist das zentrale Ziel der Raumpolitik. Sie wird in der Regio Wil bereits intensiv genutzt. Dennoch zeigt die Praxis, dass nicht alle Flächenreserven verfügbar, geeignet oder innert der gesetzlich geforderten Frist von 15 Jahren realisierbar sind. Analysen zeigen, dass nur rund 8 Prozent der bestehenden Flächen wirklich nutzbar sind. (Analysen: Agglomerationsprogramm Wil 5. Generation). Die übrigen Flächen bleiben aufgrund von Eigentümerinteressen, Planungshemmnissen, fehlender Erschliessung oder Schutzansprüchen blockiert. Bei sorgfältiger Interessenabwägung erlaubt das Raumplanungsgesetz deshalb andere Lösungen. Wil West schafft zusammenhängende, gut erschlossene Flächen und ergänzt die Innenentwicklung dort, wo sie aufgrund von Flächenverfügbarkeit und Struktur an ihre Grenzen stösst.
Fruchtfolgeflächen
Ein emotionales Thema ist auch die Nutzung von Fruchtfolgeflächen und ob diese überhaupt beansprucht werden dürfen. Fruchtfolgeflächen sind zu schützen, dürfen aber genutzt werden, wenn eine sorgfältige Interessenabwägung erfolgt und der Bedarf ausgewiesen ist. Das Raumplanungsgesetz verlangt eine flächensparende und bodenschonende Entwicklung (RPG Art. 15 Abs. 3 und 4). Die Bündelung von Arbeitsplätzen an einem zentralen Standort ist gesamtplanerisch bodenschonender, als wenn sich die Entwicklung unkoordiniert verteilt. Zudem werden Ausgleichs- und Minimierungsmassnahmen umgesetzt, wie es das Bundesrecht und die kantonale Richtplanung vorsehen.
Nutzen für regionale Unternehmen
Ein weiterer Punkt betrifft die Eignung des Gebiets für lokale Unternehmen. Oft wird gefragt, ob das Gebiet nicht nur für grosse externe Unternehmen entwickelt wird. Tatsächlich profitieren regionale Betriebe besonders von Wil West, insbesondere jene, die sich an ihren heutigen Standorten nicht mehr erweitern können. Neben Neuansiedelungen schafft Wil West auch Entwicklungsmöglichkeiten für das lokale Gewerbe.
Zusammenfassend ist das Projekt aus raumplanerischer Sicht sinnvoll: ein konzentrierter, gut erschlossener Arbeitsplatzstandort mit optimaler Abstimmung zwischen Arbeitsplatzentwicklung und Verkehr. Er stärkt die regionale Wirtschaft, adressiert den hohen Pendelanteil und ermöglicht einen effizienten Umgang mit Boden. Es geht um Qualität, nicht Quantität, und genau das ist die Stärke von Wil West.
Über Jowita Nicolaus
Jowita Anna Nicolaus ist Projektleiterin bei der Regio Wil. Sie absolvierte ein Masterstudium in Ingenieur- sowie Stadt- und Raumplanung an der University of Life Sciences Poznań, ergänzt durch internationale Studienaufenthalte. Sie verfügt über fundierte Kompetenz in der Raumplanung, die sie in der Stadt- und Regionalentwicklung sowie bei der Analyse von Industrie- und Gewerbestandorten erworben hat. Zuletzt war sie als Stadt- und Raumplanerin bei Kontextplan AG tätig, einem Schweizer Planungsbüro mit Schwerpunkt auf Raumentwicklung, Mobilität und Infrastruktur. Nicolaus verbindet planerisches Fachwissen mit Erfahrung in partizipativen Prozessen und der Entwicklung politischer Leitbilder.

* Das Bundesgericht weist die Beschwerde gegen die geplante Dosieranlage an der Grenze zwischen Teufen und St.Gallen ab. * Damit ist der Weg für das seit Jahren blockierte Verkehrsprojekt frei. Wann die Bauarbeiten beginnen, steht allerdings noch nicht fest. * Das Ziel des 2,4 Millionen Franken teuren Ampelsystems ist es, den täglichen Pendler-Stau im St.Galler Stadtquartier Riethüsli rückzuverlagern.

* Bei Leonteq ist der im März angekündigte Verkauf eines grossen Aktienpakets, das bisher im Besitz von Raiffeisen war, abgeschlossen worden. * Der 22,7-Prozent-Anteil ist wie geplant an H21 Macro Limited und vier private Investoren gegangen. * Raiffeisen besitzt damit statt 29 Prozent noch 7 Prozent der Derivateboutique, die vom heutigen Hotellier Jan Schoch gegründet wurde; der Kooperationsvertrag läuft noch bis März 2030.

* Der Technologiekonzern aus Herisau hat im ersten Semester mehr Aufträge erhalten und mehr umgesetzt als in der Vorjahresperiode. * Wegen hoher Investitionen hat das Unternehmen aber weniger verdient. * Huber+Suhner hat den Personalbestand um über 10 Prozent ausgebaut.