* Das Industrieunternehmen SFS will in den kommenden Jahren weiter wachsen. * Der Investor Day vom 17. September in Heerbrugg zeigte, wie der Konzern sein Portfolio gezielt an die sich verändernden Gegebenheiten anpasst und an Wachstumstrends partizipiert und weshalb Nordamerika und Asien für das Unternehmen wichtiger werden. * Entsprechend ist es teilweise unvermeidbar, Produktionskapazitäten zu verschieben, wie der Fall der Schliessung des Standorts Flawil zeigt.

Wer die Präsentation der SFS Group am Investor Day verfolgte, erkennt eine bemerkenswerte Fokussierung: SFS will ihr künftiges Wachstum zunehmend dort schaffen, wo die Märkte schneller wachsen und die Margen höher sind. Europa bleibt eine wichtige Basis, aber bei den Segmenten Engineered Components und Distribution & Logistics richtet SFS den Blick verstärkt nach Asien und Nordamerika. Gleichzeitig wird das bestehende Produktions- und Vertriebsnetz gestrafft. Wachstum und Kostendisziplin gehören damit zur gleichen Strategie.
SFS bestätigt für 2026 weiterhin ein Umsatzwachstum von 3 bis 6 Prozent in Lokalwährungen, einschliesslich Konsolidierungseffekten, sowie eine normalisierte Ebit-Marge von 12 bis 15 Prozent. Auch die mittelfristigen Ziele bis 2030 bleiben bestehen. Ausgehend des Umsatzes von 3,06 Milliarden Franken im Jahr 2025 nennt SFS dabei eine Grössenordnung von rund 3,6 bis 4 Milliarden Franken (vor Währungseffekten). Interessant ist dabei jedoch weniger die Zahl allein als die Frage, woher dieses Wachstum kommen solle.
Europa bleibt Basis, aber nicht mehr der wichtigste Wachstumsmotor
SFS beschreibt das eigene Geschäftsmodell als bewusst diversifiziert: Das Unternehmen ist in unterschiedlichen Branchen und Regionen tätig und versucht, mit dem Prinzip «local for local» möglichst nahe bei der Kundschaft zu produzieren. Das reduziert nicht nur Lieferkettenrisiken. Es wird zunehmend selbst zu einem Verkaufsargument, weil internationale Kunden ihre Produktion angesichts geopolitischer Spannungen stärker regionalisieren.
SFS verfügt inzwischen über 140 Standorte in 35 Ländern. Im mittelfristigen Ausblick wird jedoch klar, dass die regionale Gewichtung verändert werden soll: Europa dürfte moderater wachsen, während Asien und Nordamerika überdurchschnittliche Beiträge liefern sollen. Bei Engineered Components werden insbesondere Elektronik, Medizinaltechnik und Luftfahrt als Wachstumsfelder genannt.
Das hat auch mit der europäischen Industrielandschaft zu tun. Im Automobilgeschäft beispielsweise erwartet SFS bis 2030 weltweit nur eine Zunahme der Fahrzeugproduktion von 91 auf 97 Millionen Fahrzeuge. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von lediglich 1,7 Prozent. Für einen Zulieferer bedeutet das: Wer nur auf steigende Produktionszahlen setzt, wird kaum kräftig wachsen. SFS versucht deshalb, über neue Anwendungen mehr Wert pro Fahrzeug zu gewinnen – etwa bei Elektroantrieben, Sensorik und elektromechanischen Bremssystemen.
Vom Teil zum System
Das Grundprinzip zieht sich durch mehrere Geschäftsbereiche: SFS will weniger abhängig vom Verkauf einzelner Komponenten werden und stärker komplette Lösungen anbieten.
Im Segment Fastening Systems, das rund 600 Millionen Franken Umsatz erzielt, reicht das Angebot deshalb zunehmend vom Befestigungsprodukt über Systeme bis zu Software. Bei Fassaden und Dächern geht es beispielsweise um komplette Lösungen, bei denen Befestigung, Abdichtung und Planung zusammenkommen. Der wirtschaftliche Effekt liegt auf der Hand: Mit einer grösseren Lösung steigt der Umsatz pro Kunde, gleichzeitig wird das Angebot schwieriger vergleichbar und die Kundenbindung stärker. SFS spricht selbst von höherem Umsatz je Transaktion, stärkerer Differenzierung und einem stärker spezifikationsgetriebenen Geschäft. Für die Kunden bieten solche Komplettlösungen auch Vorteile; so reduzieren sie die Komplexität, vereinfachen die Abstimmung, da weniger Parteien involviert sind, und schaffen mehr Planungssicherheit, weil die Komponenten aufeinander abgestimmt sind. Entsprechend können Aufträge bzw. die Umsetzung auch in kürzerer Zeit geschehen.
Ähnlich ist die Logik bei der Digitalisierung. E-Commerce, Planungssoftware, Kundenportale und KI sollen nicht einfach modern wirken, sondern Transaktionskosten senken und die Effizienz erhöhen. Beispielsweise bei Distribution & Logistics, dem Geschäft mit mehr als 135’000 Kunden und über 1,4 Milliarden Euro Umsatz, hat SFS bereits konkrete Anwendungen vorzuweisen. Die automatisierte Erfassung geeigneter Kundenaufträge beispielsweise könnte den Zeitaufwand nach Unternehmensangaben von sieben auf 1,8 Minuten reduzieren. Bei der Erstellung von Produktanfragen wird eine Zeitersparnis von rund einem Drittel erwartet.
Das ist wirtschaftlich relevanter als die technische Frage, welche KI dahintersteht: Bei einem Geschäft mit vielen Kundinnen und einer grossen Zahl von Transaktionen können kleine Effizienzgewinne auf ein erhebliches Volumen hochgerechnet werden.
Wachstum durch Zukäufe
Ein zweiter Wachstumspfeiler ist die Übernahme von Unternehmen. SFS nutzt Akquisitionen gezielt, um Zugang zu Märkten und Kunden zu erhalten, in denen der Konzern seine Position ausbauen will.
Besonders deutlich wird dies bei Heartland Precision Fasteners in den USA. Mit dem amerikanischen Hersteller von Luftfahrt-Befestigern will SFS den Zugang zum nordamerikanischen Aerospace-Markt ausbauen. Heartland erzielte 2025 rund 30 Millionen Dollar Umsatz und beschäftigt etwa 70 Mitarbeitende. Für SFS geht es allerdings um mehr als diesen Umsatz: Die Übernahme soll die Basis für eine globale Aerospace-Fertigungsplattform schaffen und den Zugang zu Kunden wie Boeing ermöglichen. Der globale Markt für Befestigungstechnik in der Luftfahrt wird von SFS mit rund 7 Milliarden Dollar angegeben.
Auch im Vertriebsgeschäft wird über Akquisitionen skaliert. Die Übernahme der Handelsunternehmen Gödde, Perschmann und Oltrogge erweitert den Kundenstamm von Distribution & Logistics um rund 22’200 Kundinnen und stärkt die Position in Deutschland, Polen und Belgien. In Nordamerika wiederum wuchs das TFC-Netzwerk des Segments Fastening Systems in den letzten Jahren von 22 auf 31 Standorte; entsprechend stieg der Umsatz von rund 70 auf rund 130 Millionen Dollar. Es geht SFS allerdings nicht nur um Akquisitionen. In Asien etwa wurde im August ein grosses neues Produktionswerk im indischen Kanagala in Betrieb genommen. Diese strategische Produktionsplattform für die Elektronik- und Automobilindustrie ist eine wichtige Ergänzung des globalen Produktionsnetzwerks, um die wachsende Kundennachfrage in diesem Bereich decken zu können.
Das Unternehmen setzt auf Wachstumstreiber
Die Kehrseite der Wachstumsstrategie ist eine konsequente Bereinigung des bestehenden Geschäfts. SFS will bis Ende 2027 das weltweite Produktions- und Vertriebsnetz weiter straffen. Das Programm soll rund 110 Millionen Franken Umsatz aus dem Konzern herausnehmen und kostet einmalig rund 75 Millionen Franken. Dafür erwartet SFS langfristig einen positiven Effekt von rund 0,8 Prozentpunkten auf die Ebit-Marge. Rund 650 Vollzeitstellen sind von Standortschliessungen, Verkäufen und Verlagerungen betroffen.
Mehrere Massnahmen sind bereits umgesetzt. Produktionsstandorte in Österreich, Deutschland, den USA und der Türkei wurden geschlossen, das Automotive-Werk im tschechischen Turnov verkauft. In der Schweiz steht die Schliessung des Standorts Flawil bis Ende 2027 auf dem Programm. Auch bei den Hoffmann-Vertriebsstandorten in den deutschen Standorten Essen und Göppingen soll bis Ende 2026 konsolidiert werden.
Das ist ein wichtiger Teil der wirtschaftlichen Logik: Die SFS Group will die Produktionskapazitäten der reduzierten Kundennachfrage anpassen und den Fokus auf Kernaktivitäten verstärken, um ihre Profitabilität langfristig zu sichern.
Aerospace und Medtech als Margenfelder
Besonders deutlich zeigt sich das bei Engineered Components. SFS sieht dort bis 2030 die Möglichkeit, wieder in eine Ebit-Marge von 18 bis 21 Prozent zu gelangen. Als Hebel nennt das Unternehmen unter anderem den besseren Produktmix, die Wirkung des Straffungsprogramms und eine höhere Auslastung der bestehenden Kapazitäten.
Aerospace ist dafür ein gutes Beispiel. SFS erwartet für den relevanten Markt langfristig rund 8 Prozent jährliches Wachstum. Bei Medizinaltechnik werden rund 5,5 Prozent genannt. Beide Märkte haben zudem eine Eigenschaft, die für SFS wirtschaftlich besonders interessant ist: Die Bauteile sind oft sicherheits- oder funktionskritisch und damit weniger leicht austauschbar als gewöhnliche Standardprodukte. Das unterstützt die von SFS angestrebte höhere Wertschöpfung.
Kapital bleibt für Wachstum verfügbar
Dass SFS gleichzeitig investieren und zukaufen will, zeigt auch die Finanzierungspolitik. Für Investitionen sind mittelfristig 4 bis 6 Prozent des Umsatzes vorgesehen. Die Dividenden-Ausschüttungsquote soll bei 35 bis 50 Prozent des Reingewinns liegen. Damit soll genügend Spielraum für Akquisitionen, Investitionen und den Abbau von Schulden bleiben.
Die Finanzierung der jüngsten Expansion passt dazu: Anfang September platzierte SFS eine siebenjährige Anleihe über 250 Millionen Franken zu einem Zinssatz von 1,2 Prozent. Die Nettoerlöse sollen unter anderem zur Finanzierung der Heartland-Übernahme verwendet werden.
Der Investor Day liefert damit weniger eine völlig neue Strategie als eine recht präzise «Gebrauchsanweisung» für die nächsten Jahre. SFS will das bestehende Geschäft nicht einfach vergrössern, sondern verändern: weniger kapital- und margenschwache Strukturen, mehr Geschäft in wachstumsstarken Regionen, mehr Medtech und Aerospace, zusätzliche Marktanteile durch Akquisitionen und höhere Wertschöpfung durch Systeme und digitale Dienstleistungen.
Die eigentliche Wette von SFS lautet damit nicht auf einen einzelnen Zukunftsmarkt. Sie lautet darauf, dass ein breit diversifizierter Industriekonzern durch die richtige Kombination aus regionaler Nähe, Spezialwissen, Akquisitionen und Kostendisziplin schneller wachsen kann – sowohl in bestehenden wie auch in neuen Märkten.

* Vorsorgekapital sollte nicht bloss verwahrt, sondern professionell bewirtschaftet werden – angepasst an den persönlichen Zeithorizont, die Risikofähigkeit und die steuerliche Planung. * Gerade für vermögende Kundinnen und Kunden bietet ein transparentes Multi-Asset-Mandat in der zweiten und dritten Säule die Chance, langfristige Ertragspotenziale breit abgestützt zu erschliessen. * Wesentlich dabei ist, die nötige Kontrolle über Risiken und die Liquidität zu behalten.

* Die Wagner AG entwickelt und produziert in Waldstatt AR Komponenten und Baugruppen aus Metall und Kunststoff unter anderem für die Automobilindustrie. * Nach über 80 Jahren gibt das Familienunternehmen nun auf. * Geplant ist, die Geschäftsaktivitäten schrittweise an industrielle Partner zu übertragen.

* KI, Elektrifizierung und steigende Sicherheitsanforderungen eröffnen Huber+Suhner neue Wachstumschancen. * Der Herisauer Verbindungstechnik-Spezialist setzt auf vier strategische Märkte und erweitert seine Produktionskapazitäten. * Das Unternehmen bestätigt seine Jahresziele für 2026.