* Lukas Görtler, Kapitän des FC St.Gallen 1879, hielt am 14. St.Galler Leadership-Tag mit Nacht des Instituts für Führung und Personalmanagement unter dem Motto «Heartbeat» seine allererste Keynote. * Unter dem Titel «Grün-weiss im Herzen – eine Leadership-Perspektive» sprach er am 25. Juni über seine Art zur Führung. * Er plädierte für Verbundenheit statt Leistungsdruck und das Vermitteln von positiver Energie.
Für Lukas Görtler, Captain des FC St.Gallen 1879, war es die erste Keynote seines Lebens. Eingeladen hatte ihn Heike Bruch, Direktorin des HSG-Instituts für Führung und Personalmanagement. Der am 15. Juni 1994 geborene, 186 Meter grosse Bamberger sei, so Bruch, ihr «Lieblingsfussballer».
Der junge Görtler, der inzwischen sechs Jahre (exakt seit dem 8. Juli 2019) beim FCSG unter Vertrag ist, sei schon in seiner Kindheit «ständig mit dem Ball herumgerannt» und später bei grossen Clubs zwar verpflichtet, aber teilweise lange nicht in den Kader berufen worden, was ihm auch schon die eine oder andere Träne abverlangt hätte, wie er erklärte. Er wisse deshalb heute, wie es sich für Spieler anfühle, wenn es ihnen gleich ginge. Es gehöre zu einem guten Captain eben dazu, schon viel durchlitten zu haben – beispielsweise schlechte Presse, wenn wieder in wichtiges Spiel verlorenging.
Görtlers drei Prinzipien: Verbundenheit, Shared Leadership und ansteckende Energie
An seinem Vortrag sprach Lukas Görtler das an, was auch die Schweizer Nationalmannschaft an der WM in Amerika stark machte: die Verbundenheit. Sprich: Statt immer nur das individuelle Ich solle das Wir ins Zentrum rücken. Und Talent ist nichts ohne Teamgeist. Das sei allerdings nicht immer einfach, sagte der FCSG-Captain: «Letztlich hast Du in der Kabine 25 Konkurrenten.» Man müsse sich den Gedanken verbieten, sich zu wünschen, der Kollege spiele schlecht, damit man selber mehr Erfolg haben könne. «Neulinge im Team stehen unter dem Generalverdacht, einem Spielzeit zu nehmen.» Das verunsichere die Neuen stark; hier sei es am Captain, ihnen auf allen Kanälen Unterstützung zu signalisieren. Görtler fasste es unter dem Begriff «Onboarding» zusammen.
Wichtig sei für die Verbundenheit manchmal auch das Überwinden von Sprachbarrieren. So habe er auch extra Französisch gelernt, um wenigstens rudimentär in der Sprache des Kollegen kommunizieren zu können und so vor allem auch seinen Respekt vor dem andern zu zeigen. Mit mehr Kommunikation entstehe auch mehr Verständnis für das Gegenüber, und viele Konflikte liessen sich so aus der Welt räumen oder wenigstens heruntertemperieren.
Leaders create Leaders, not followers
Die Aufgabe einer Führungskraft sei eben nicht das stupide Fordern von Leistung, sondern es gehe um Förderung, um Motivation, damit der intrinsische Antrieb tragen könne. Alles andere mache wenig Sinn. Er griff damit auch einen Schwerpunkt der Tagung des Instituts auf, dass energiegetragene Unternehmen erfolgreicher seien als solche, die nur mit Druck arbeiten.
Als Captain müsse man seine Mitspieler stärken («fordern und fördern»), die Verantwortung verteilen. Denn wenn Führung nur von der jeweiligen Person abhängig sei, führe das zu Abhängigkeiten, zu Überlastung und zu Passivität im Team. Der von vielen befürchtete Kontrollverlust habe den Vorteil, dass Vertrauen geschaffen werde.
Auch hier spiele Kommunikation eine wichtige Rolle: So lasse er die zu erreichenden Ziele seine Mannschaft formulieren und vor dem Team auszusprechen, denn «Menschen kämpfen überzeugter für das, was sie selbst aussprechen». Dafür müsse man eben auch andere mal reden lassen und auf Empfang schalten. Das praktiziere er auch beim Kreis, den die Spieler kurz vor wichtigen Phasen auf dem Rasen bilden. Dann spreche durchaus nicht immer er, sondern einer der Spieler. Das sei dann auch der Motivierteste des ganzen Teams.
Erfolge auch feiern
Erfolg, so Görtler, sei nicht einfach Pflicht. Es müsse Spass bereiten, nur dann sei die Motivation nachhaltig. Und man arbeite nicht für die nächste Schlagzeile in den Medien. Ein Leitspruch von Jürgen Klopp hat Görtler verinnerlicht: «Die Lust aufs Gewinnen muss grösser sein als die Angst, zu verlieren.» Er sprach an, was auch aktuell wieder deutlich wurde: Diese Lust strahlte die Schweizer Nationalmannschaft auch nach dem Spiel gegen Kolumbien aus, als in den anschliessenden Interviews im Schweizer Fernsehen viel von Selbstbewusstsein die Rede war davon und von der Freude, gegen Argentinien spielen zu dürfen – statt sich bereits vorab nur Aussenseiter-Chancen einzuräumen. Wieder bezogen auf den Vortrag, sagt Görtler: «Schwierige Situationen und Spiele sind nicht in erster Linie eine Prüfung, sondern ein Privileg!»
«Energie ist ansteckend»
Der Umgang mit Druck führte bei Görtler in jungen Jahren zu grossen Belastungen. Er habe für sich erkannt, dass man sich grundsätzlich überlegen müsse, wie man mit Druck umgehe. Für ihn sei klargeworden: Wichtig sei, Freude auszustrahlen, es gehe darum, das Leben nicht nur zu meistern, sondern auch zu leben: «Lacht auch mal, das baut effektiv Druck ab!» Nach Fehlern von Mitspielern solle man nicht reklamieren, denn dann würden andere das Verhalten kopieren, und das ziehe alle runter. Man solle das Positive hervorstreichen, motivieren, relativieren. Dazu gehöre auch die Körpersprache. Die sei wichtig: Auch die werde kopiert, und das habe einen grossen Einfluss auf die Einstellung. Bezogen auf die WM könnte man da an die Ansprache des Teamchefs der Japaner erinnert sein, der unter Tränen eine leidenschaftliche, konstruktive Ansprache an sein Team hielt. Eben: Energie ist ansteckend.
Alle Bilder stammen von Sandra Blaser Photography.
Institut für Führung und Personalmanagement
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